seltsamkeit

Es wirkt auf mich immer sehr seltsam, wenn ich Artikel über Produktivität und Kreativität lese, in denen die verschiedenen Autoren ihre Patentrezepte verraten, um über die Jahre produktiv und kreativ zu bleiben…

Da kommen dann ganz viele verschiedene Einflüsse, Voraussetzungen und Kniffe zusammen: viel Schlaf bei dem einen, wenig Schlaf und früh aufstehen bei dem anderen, heiß duschen oder auch kalt duschen, Sport treiben und was alles sonst noch. Interessanterweise die verschiedensten und auch die widersprüchlichsten Empfehlungen – aber das eigentlich ist gar nicht das wichtigste.

Wichtiger eigentlich die Selbstverständlichkeit, mit der jemand sich dahin stellt und von seiner eigenen Produktivität und Kreativität berichtet. OK, Produktivität mag ja noch an sich selbst einigermaßen festzustellen sein – obgleich ich da manches mal auch den Verdacht habe, als werde da Quantität mit Produktivität verwechselt. Kreativität allerdings an sich selbst beobachten mag dann doch deutlich schwieriger sein. Und auch dabei habe ich oftmals den starken Verdacht, dass das eher quantifizierend gemeint ist: wie der Autor, der sich Kreativität unterstellt weil er jahrelang mehr oder weniger kontinuierlich veröffentlich hat…

Aber auch das ist eigentlich nebensächlich. Das Seltsame daran ist eigentlich das Selbstbewusstsein, das sich in derartigen Artikeln und den darin implizierten Annahmen ausdrückt. Sich über die eigene als gegeben angenommene Kreativität und Produktivität derart selbstverständlich auszulassen, sie derart als gegeben hinzunehmen – vielleicht ist das einer der Schlüssel zu Produktivität und Kreativität.