neuland, oder vielleicht doch nicht…

Ein Aufschrei namens #neuland ging heute durch Twitter. Kanzlerin Merkel hat das Internet als Neuland für uns alle bezeichnet…

Das Internet ist für uns alle Neuland.

Na ja, was dann darauf auf Twitter los war, kann man sich denken. Und sofort sind natürlich auch die da, die sie in Schutz nehmen gegen das Spießer-Netz, wie die Süddeutsche Zeitung titelt und uns nach zwanzig Jahren Internet immer noch einreden möchte, dass die allermeisten Menschen sich da erst herantasten. Ein Spießer lässt sich da in gewohnter Verstehermanier über eine Rückständigkeit aus, die vielleicht am Stammtisch in irgendeinem Kuhdorf ihren Platz haben könnte – aber auf keinen Fall auf einer politischen Ebene, wie sie durch Frau Merkel repräsentiert wird und die sich seit einiger Zeit ja schon in Sachen Netzpolitik versucht…

Zukunft ist Neuland für uns – nicht aber etwas , das wir seit mindestens zwei Jahrzehnten kennen, in dem wir uns bewegen und das wir nutzen. Da haben Leute was verpennt – und sollten sich so schnell wie möglich darum kümmern, diese Lücke zu schließen.

ein wenig absurd

Meine Twitter Timeline ist voll von Tweets der Piraten. Verstärkt seit dem letzten Wochenende, dem Tag der Wahlpleite in Niedersachsen. Mehr Transparenz, mehr Information – das ist die Devise, die man offensichtlich ausgegeben hat…

Mag ja richtig sein. Absurd aber ist es anzunehmen, dass Twitter dafür das richtige Medium ist. Verstärkte Aktivitäten da erreichen doch eh nur die Leute, die als Stammwählerschaft, als ganz harter Kern der Partei angesehen werden dürfen. Damit wird kein einziger Wähler dazu gewonnen und keine einzige der verlorenen Stimmen zurückerobert.

Insgesamt aber scheint eines der Probleme der Partei in solchen Aktionen durchzuscheinen.

lernfähigkeit

Jetzt ist sie also gelaufen, die Wahl in Niedersachsen. Anders, als die meisten das in den letzten Tagen gesehen haben. Rössler muss nicht gehen, weil die FDP mal wieder den Sprung in den Landtag geschafft hat. Die Piraten sind nicht drin, weil sie in den Landtagen, in denen sie sitzen, wenig politisches Profil bewiesen haben: die Freiheit des Internet ist eben kein wirkliches Thema, wenn nicht die Freiheit der Menschen und der Gesellschaft im Zentrum steht und daraus die Freiheit alles anderen abgeleitet wird.

Und das heißt eben auch: politische Konzepte müssen auf breiter Front her. Stellung muss bezogen werden zu den brennenden Fragen dieser Gesellschaft. Und ich hoffe jetzt, dass das Ergebnis in Niedersachsen als ein Warnschuss verstanden wird und die restliche Zeit genutzt wird, um sich besser in Position zu bringen für die anstehenden Wahlen. Ansonsten könnte es den Piraten drohen, eine Episode des Jahres 2012 geblieben zu sein, hochgespült von einer breiten Welle der Unzufriedenheit und der Unzufriedenen – aber halt ohne wirkliche Basis. Es wäre schade drum, denn bei den Piraten gibt es eben auch Ansätze, die wir brauchen und die wir zur Zeit in anderen Parteien nicht finden.

Also, bitte etwas Lernfähigkeit beweisen…

geschickt verlieren

Irgendwie kommt mir diese ganze Diskussion um den SPD Kanzlerkandidaten Steinbrück wie ein taktisches Manöver der Partei vor, die Wahl zu verlieren – um in einer Situation, in der man auf die drängenden politischen Fragen keine Antworten hat, nur nicht politische Verantwortung übernehmen zu müssen. Und die Schuld für die Niederlage kann man dann auf die finanzielle Gier eines einzelnen Individuums schieben und dabei hoffen, dass keine Kratzer an dem Image der Partei zurückbleiben.

Gewagt? Ja, aber manchmal kann man nur mit gewagten Hypothesen die absurde Realität begreifen.

das ist doch mehr

Es ist schon erstaunlich, auf was Europa so reduziert wird heute. und vor allem, was dabei alles untergeht und vergessen wird. Europa ist mehr, als die Euro-Krise – Europa hat auch eine Tradition der Aufklärung. Deren Gedanken fortzuführen und zu transformieren in eine aktuelle politische Strategie, das wäre an der Zeit.